Feierliche Einweihung des Andachtsraumes am Ruhewald Schloss Tambach

Nach einer Bauzeit von rund fünf Monaten war es am 13. September 2018 nun endlich soweit, dass der neu errichtete Andachtsraum am Ruhewald Schloss Tambach feierlich eröffnet werden konnte. Bauherr Graf zu Ortenburg bedankte sich bei der Gemeinde Weitramsdorf sowie dem Landratsamt Coburg für die Genehmigung zum Bau, sowie die gute und fruchtbare Zusammenarbeit. Größten Dank sprach er dem Architekten Gerhard Sacher, der extra aus dem österreichischen Graz angereist war, für die Planung und Umsetzung des Projekts aus. Ein weiterer großer Dank galt den ausschließlich heimischen Baufirmen für die reibungslose Umsetzung und gute Zusammenarbeit. Der Andachtsraum soll Einfachheit und Offenheit vermitteln und für die BesucherInnen und Hinterbliebenen eine schützende Hülle an diesem Ort des Innehaltens und der Erinnerung bieten. Gerhard Sacher führte in beeindruckender Weise aus, wie die Bauweise des Andachtsraumes entstanden ist. Um in diesem Umfeld des Waldes einen zeitlosen Sakralraum zu entwickeln ist es notwendig, auf die Geschichte der Architektur zu blicken und dabei nahm Architekt Gerhard Sacher Bezug auf den römischen Architekten Vitruv (1 Jhd. V. Chr.). Vitruvs Abhandlung stellt die Theorie des wohlgeformten Menschen (homo bene figuratus) vor. Anhand geometrischer Formen werden die Proportionen des Menschen zueinander beschrieben. Dies inspirierte mehrere Künstler der Renaissance zu Skizzen, unter anderem auch Albrecht Dürer. Die berühmteste Illustration stammt allerdings von Leonardo da Vinci und diese Skizze erlangte unter dem Namen „der Vitruvianische Mensch“ Berühmtheit. Mit dieser Zeichnung belegte Leonardo die These Vitruvs, der aufrecht stehende Mensch füge sich sowohl in die geometrische Form des Quadrates wie des Kreises ein.
Die Methode des Moduls, die von Vitruv grundgelegt, wurde im 20. Jahrhundert als Modulor wieder aufgenommen, einem Maßsystem des Architekten Le Corbusier, das auf dem Goldenen Schnitt basiert.
Der Goldene Schnitt bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Größen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmaß und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt sowohl in der Natur wie am Menschen vor.
Einen weiteren Einfluss für die Gestaltung des Andachtsraumes kam von der perspektivischen Wirkung des Eingangsportals des Bamberger Fürstenportals. Diese romanischen Rundbögen sich nach innen hin stetig verjüngend, ziehen die Besucher förmlich in den Dom hinein.
Für den Entwurf des Andachtsraumes wurde statt der romanischen Form des Rundbogens der dynamischere Spitzbogen der Gotik angewandt.
Auch die Zahl Sieben nimmt Einfluss auf die Form des Andachtsraumes. Man geht davon aus, dass die Sieben auf die Beobachtung astronomischer Besonderheiten beruhte. Sieben ist die Anzahl der schon frühzeitig mit bloßem Auge sichtbaren, scheinbar beweglichen Himmelskörper (Sonne, Mond dazu die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn). Es gibt in fast allen Kulturen einen Bezug zu dieser Zahl (7 Tugenden, 7 Meere, 7ter Himmel, 7 Sakramente, die Schöpfungsgeschichte usw.)
Aus diesen vorangegangenen Blickpunkten heraus entwickeln sich die Form und Struktur des Andachtsraumes „Ruhewald Schloss Tambach“.
Zweiter Bürgermeister Werner Hanke betonte in seinem Grußwort, dass der Ruhewald mit dem Andachtsraum ein Aushängeschild für die Gemeinde sei, weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Stellvertretend für die Gemeinde, die der Träger des Ruhewaldes ist, überreichte Werner Hanke dem Bauherrn und Betreiber des Ruhewaldes Heinrich Graf zu Ortenburg ein vom Seßlacher Holzkünstler Wolfgang Schott handgeschnitztes Holzschild, welches künftig die Besucher am Ruhewald empfangen wird.
Unter den Segen Gottes gestellt wurde der Andachtsraum durch Pfarrer Schupp aus Neundorf und Pfarrerin Braunschweig – Gorny aus Weitramsdorf. Beide verdeutlichten, dass dieser Raum inmitten der Natur ein würdiger Platz zum Gedenken an die Verstorbenen sein wird. Musikalisch begleitet wurde die Segnung durch Sängerin Bojana Blohmann sowie Trompeter Hartmut Martin.
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Bewirtung der Gäste mit Bratwürsten und Getränken durch Werner Strehler aus Weitramsdorf. Der Andachtsraum steht von nun an für Beisetzungen im Ruhewald zur Verfügung.

Bauvorhaben: Andachtsraum Ruhewald Schloss Tambach e.K.
www.ruhewald.de
Bauherr: Heinrich Graf zu Ortenburg
Schlossalle 7/ D-96479 Weitramsdorf OT Tambach
Architekten: Gerhard Sacher / Rechbauerstrasse 46/ A-8010 Graz,
www.sacher-locicero.com
Planungsbeginn: April 2017
Fertigstellung: August 2018
Projektgröße: 36m2
Statik: Petschnigg ZT GmbH / A-8141 Unterpremstätten
Dachdecker: Dachdeckermeisterbetrieb Zetzmann GmbH / D-96450 Coburg
Zimmerei: Finzel u. Lindenlaub Holzbau GmbH / D- 96274 Itzgrund
Erdbewegungen: Lothar Heß OHG / D-96126 Maroldsweisach
Glas-Stahlbau: Metallbau Stadler / D-96450 Coburg
Elektroarbeiten: Elekto Schulz / D-96237 Ebersdorf b. Coburg
Baumeister: Hauch & Co. Bauges. mbH / D-96450 Coburg